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Temporäre Leichenhalle

Sterben lernen. Herr Andersen stirbt in 60 min.

Sterben lernen! (1. Akt)

 

Sterben lernen! (Prozession und 2. Akt)

 

Sterben lernen! (3. Akt)

 

Sterben lernen! (4. Akt)

 
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December 05

BRIEF AN EINEN UNBEKANNTEN KRITIKER

Systemtheologe Johannes Hoff schreibt zum manuskript von STERBEN LERNEN:

Das Manuskript hat mich wirklich beeindruckt. Habe mich immer gefragt was Christoph da zusammenbastelt, weil mir das in meinem abstrakten Philosophenkopf als so unkalkulierbar erschien. Der Text ist besser als alles was ich mir ausdenken könnte. Mich erinnert das Ganze irgendwie an die Mysterienspiele des Spanischen Barock. Die wurden ja an Fronleichnam aufgeführt. Prozession mit "großem Welttheater".
(Dr. Johannes Hoff - Lecturer in Systematic & Philosophical Theology - Director of the Centre of Faith, Reason, and Ethics - MA, Dipl. theol., PhD, Dr. habil - University of Wales, LampeterLampeter, Ceredigion - SA48 7ED, UK)

 

Lieber unbekannter Kritiker,

wir kennen uns schon ziemlich lange. Und deshalb möchte ich ihnen unbedingt kurz schreiben.

Wie ich vermute, haben sie einen meiner soloabende sehr gemocht. Und natürlich denken sie als langer beobachter an die "wilden zeiten auf der documenta oder in hamburg bei der bahnhofsmission, usw…"

Für mich ist das aber eine superlange ewigkeit her, und die prozession am gestrigen abend steht in keinem bezug zu diesen früheren aktionen,
sondern erinnert an die mysterienspiele, die johannes hoff da oben erwähnt!

"Sterben lernen" ist auch keine wiederholung von krebsbefunden, sondern erzählt von der zeit nach dem krebs, auch wenn herr andersen in 60 Minuten sterben wird. und deshalb werden aus 60 erst 7 sekunden und dann auch mal 90 minuten. hier geht es eben nicht um eine wiederholung der medizinischen krankengeschichte, sondern um den kampf mit und um gott und um die gedanken, die wie ich im stück selber sage, im gespräch mit dem systemtheologen johannes hoff entstanden sind. die frage nach gott, die hoffnung einen neuen frieden zu finden, aber nicht mehr im märchenpark der evangelischen oder katholischen kirche, sondern in der befreiung von menschlichem wahn hin zum unlimitierten gott. (siehe meister eckhard weiter unten auf dieser seite!)

ich habe hier die ersten 6 tage nur vorträge gehalten, aus denen dann der text gemacht wurde.
diese texte veröffentliche ich demnächst mal auf meinem schlingensiefblog.

Die von Ihnen genannten zitate
machen nur knapp 10 % aus und sind sogar meist nur bezugsfelder des genannten systemtheologen johannes hoff,
der am 6.12.2009 nach der vorstellung im neumarkttheater reden wird.
E
r hat diese zitate in mein leben gebracht, als ich nach dem zweiten metastasenbefund „fast nicht mehr leben konnte“… also mein gespräch mit

Gott und die suche mit ihm kaum merh ertragen konnte.

Vielleicht kommt ihnen das dumm vor, aber meine arbeit hatte doch sehr oft etwas christliches, etwas suchendes und auch predigerhaftes.

Für mich sind die texte wirklich existente fragen, und selbst die körperwelten von herrn hagen, hier gleich hinter dem schiffbau,
da wo ich morgens meine
Brötchen geholt habe, waren jetzt 5 wochen lang teil meiner gedanken.


Auch wenn ich auf der lesereise sehr sportiv und flott und lustig war, so sieht es drinnen sehr schwarz aus. Und ich kämpfe dagegen.

Mir fällt es deshalb auch sehr schwer nach scientologen ausschau zu halten oder nach politischen schwachsinnsstellen, und schon der auftritt im pfauen

war nur als nachhall aus früheren zeiten zu ertragen. Mir kommt das operndorfprojekt viel politischer vor, auch wenn ich mir durch meine

tv-äusserungen vor der wahl im aussenministerium sehr vieles verdorben habe. Aber den mund halten konnte ich noch nie.
 

Also was soll ich sagen. ich komme nicht nach zürich, um hier an frühere aktionen anzuknüpfen, aber meine meinung sage ich auch ausserhalb des theaters. da, wo sie tatsächlich noch ein paar normale leute erreichen.
nein , ich kam nach zürich, weil ich hier vom neumarkttheater die möglichkeit bekommen habe, an den gedanken zu einem neuen christentum zu arbeiten. und carl hegemann hat das ganze erst durch seine kontakte ermöglicht; denn das neumarkt und auch das züricher schauspielhaus hatten beide kein budget für diese 3 abende und haben sich das mühsam zusammengespart. somit gibt es hier auch keine normalen theatergagen, aber dafür eine wunderbare familiäre atmosphäre, die mich aus der berliner depression rausgeholt hat.

In diesem abend werden dinge besprochen, die ich gerade in meiner seele herumschleppe und wo mir meister eckhard und cusanus

als wirkliche freunde begegnen.

Die intervention im pfauen oder wie man das nennen mag, scheint wohl für den weiteren ablauf ein glück gewesen zu sein.
Und meine meinung zum
Minarettverbot und anderen dingen hier, habe ich schon in zwei tv-sendungen und zwei interviews sehr genau abgelassen,
sodass sich die SVP schon wieder
veranlasst sah auf meinen nichtakademikerstatus hinzuweisen. Das haben sie auch schon beim hamlet oder attabambipornoland gemacht. Also nichts neues auf der reflexebene auf beiden seiten.
machen wir uns da doch nichts mehr vor. da  müssen jüngere und viel undurchschaubarere personen ran als ich oder sie !


Und auf die musik und deren bedeutung sind sie gar nicht eingegangen… "Sterben lernen" ist doch sowas wie eine kleine Zimmeroper.
Amfortas trifft auf tristan und isolde. und der hase zitiert hugo ball. 

aber gerade der bezug zu amfortas und zum liebestod ist neu.

 

Es ist wirklich schade,  dass sie so alte schablonen von 1997 auf meinen jetzigen zustand anlegen.
schablonen,die
ich schon lange nicht mehr will und auch nicht erfüllen kann.
Ich liebe es hier zu sein, aber mein blick auf die welt ist größtenteils schwarz,

und nicht weil ich krank bin, sondern weil mir vieles einfach etwas eklig vorkommt.

Das war früher vielleicht auch schon, aber mittlerweile kann ich vieles nicht mehr so gut verdecken oder überspielen.

 

deshalb wird auch die musik am ende so ins zentrum gestellt. Wenn es um musik und diese neuen gedanken geht,
dann nur in einer form, die mich und andere nicht mehr anschreit. so wie früher. das will ich nicht mehr und hoffe da auf ihr verständnis.

 

Ich hoffe, dass ich ein paar dinge erwähnen konnte, die sie vielleicht gesehen , aber nicht beschreiben wollten.

Ein schönes wochenende und bis zum nächsten Mal,


ihr christoph schlingensief

PREMIERENBERICHT ZUR DOPPELPREMIERE IM PFAUEN UND IM NEUMARKTTHEATER...

WIR DANKEN ALLEN IM PFAUEN UND IM NEUMARKT ! (Rene und ich)....

Es war ein guter abend. Jedenfalls wollte der Applaus auf beiden Seiten nicht enden. Wie mit rene besprochen haben wir erst um 20.10 uhr angefangen, damit martin und carolin im pfauen (da fand die premiere von renes neuem stück „calvinismus Klein“ statt, während meine premiere im neumarkttheater zur selben zeit startete.) mitten in unserem teil, und wir wissen nie wann das genau sein wird, schaltet sich dann rene mit seinem stück bei uns mit einer liveübertragung ein. Das interaktive und das interpassive theater. Das thema des abends in doppelter hinsicht. Das religiösaktive und das religiöspassive theater bei uns trifft auf renes diskurs zum interaktiven und interpassiven theater, obwohl renes texte natürlich nicht nur darum kreisen. jedenfalls hat er nur teile seiner neuen texte benutzt, was aber klar sein müßte, auch wenn ich irritiert bin, das ein kritiker im deutschlandradio gedacht hat, was geschrieben wurde muss natürlich auch gespielt oder zumindest auf der bühne gesprochen werden. vielleicht hat ihn da die dramaturgie hintenrum mit text versorgt oder er war noch nie bei rene. naja... soll vorkommen.

2)  Nach unserem ersten teil geht es dann mit herrn andersen durch die gassen von zürich. Michaels wundervoller chor begleiten ihn und seine familie. Ein wunderbarer augenblick, der mich persönlich immer an die pausen in bayreuth erinnert. Nach jedem akt erstmal luft holen, den körper wieder in bewegung setzen und dann wieder rein mit dem fleisch….
Danach dann teil 2 im fenster des kunsthauses. Das ganze immerwieder bei rene eingeblendet und so verzögert, dass wir nach einem anruf den weitermarsch zum pfauen antreten.
Der pfauen gibt sozusagen das zeichen zur intervention, die allerdings gar keine ist, jedenfalls nicht für hypergott, der in beiden aufführungen eine freundliche einheit anerkennt. Wie schon jetzt im radio zu hören war, fühlt sich der schweizer kritiker um den text gebracht, den er vor sich liegen hat… was übrigens sehr merkwürdig ist… welche fassung soll das sein? Auch unsere fassung, die hier im netz steht und von evangelischen und katholischen gemeinden oder institutionen kostenlos nachgespielt werden kann, ist genauso unvollendet wie die von rene.
Ist das vielleicht genau der interpassive moment, den rene beschreibt ? der schweizer kritiker will carolin und martin genau mit dem text hören, ihre auseindersetzung und diskussion "geniessen", damit er schön ausruhen kann? Andererseits hält der andere radiokritiker dagegen, dass das publikum, das den text eben nicht vor sich hatte, das aufeinandertreffen von zwei  freunden sofort verstanden und honoriert hat. Bei rene gab es in diesem sinne somit keinen schluß, denn was sollte der schluß bei so einer idee überhaupt sein ausser vielleicht das aktive applaudieren, nach einer schönen zeit der passivität wie sie bei jedem stück nach 5 bis 8 stunden (siehe peter stein) sowieso als eigene lustvolle betätigung einsetzt. Wer hat hier also wen gestört oder um den text gebracht? 
Niemand !

Rene war zufrieden und ich auch. Rene gestern in der NZZ :“ Ihn und mich treibt die Frage um, wie etwas, was nicht zu teilen ist,
die Grundlage von Kommunikation werden kann.“ 
Rene, martin und carolin, und christoph und seine mannschaft konnten diesen schluß gemeinsam geniessen. Dazu kam noch der satz: „Erinnern heißt vergessen !“ wieviel hass gab es damals in diesem pfauen als wir „hamlet“ und „Attabambi Pornoland“ aufgeführt haben.

Schon damals eine interaktive arbeit, die den aufbruch in die theaterpassivität zum thema hatte. Damals wären viele froh gewesen, sie hätten unseren hass auf die rechtsradikale SVP gleich auf einen polizisten oder den staatsanwalt auf der bühne delegieren können. Das war eigentlich die geburtsstunde des interpassiven theaters in zürich (höhöhö). Und nun die übermalung durch erinnerung und nur noch lächelnde, freundliche gesichter. --- 
Im vierten und letzten akt dann die ankunft des sterbenden als parsifalzitat,… der immerwährende sterbende und auch hier delegieren die gralsritter den schmerz an amfortas andersen.

Rene sagt interpassives theater und ich denke an die gralsritter ! 
Und dann kommts: Tristan und Isolde. Direkt am anfang des abends im ersten akt und dann zum schluß im vierten akt. Hier ist es zu spät um zu delegieren ! mehr will ich nicht sagen. Der tristan ist erst am anfang ! und wie schon beim parsifal nutzt jeder seine möglichkeiten, um vorarbeit zu leisten. Rene und ich sind keine transformationskünstler ! 
Was also ist, wenn die interpassivität verschwindet, weil der spielpartner, der deligierte partner verschwindet?
Was also wenn der bereits tot ist, den ich liebe ? Wenn ICH bereits tot bin, ICH, den ich eigentlich hätte lieben können.

Das stück , dass da angeblich gestorben ist und was den kritiker um seinen genuß gebracht hat, war vielleicht gar nicht da. Und auch meine vorführung des sterbenlernens ist am wahren tod gescheitert. Herr andersen kann nur sterben, wenn ihm seine frau sagt, dass die musik überleben wird. Und am theater hat die wahrheit ihre grenzen ! ob nun also herr andersen stirbt oder das stück… beides gleich. Und das wäre doch auch mal interessant, wenn man da in der nächsten zeit etwas drüber hören oder lesen könnte.
Ich weiß, dass gerade der Normalsterbliche, von dem es in den nächsten 100 jahren mindestens 6 milliarden geben wird, genau weiß was eine prozession, was ein museum und was eine schauspielkirche bedeuten. "Der schreitende Leib" wird es erfahrbar machen. Und dafür muß man leider auch mal aufstehen und seinen eigenen körper in schwingungen versetzen ! und das nennt man dann die OBERTÖNE! ….

Gute nacht… Und wenn es im traum doch wieder nur zur verfolgungsjagd reicht, dann habe ich zumindest meine dr.mabuse perücke dabei. „Meine seele muß in ihren tiefsten tiefen verunsichert werden, durch scheinbar sinnlose gedanken, die nur den einen sinn und zweck haben, nämlich angst und schrecken IN MIR zu verbreiten ! solange kann ich zumindest nicht sterben.“ (und noch was… in den nächsten tagen hoffe ich darauf, dass ich hier ein paar ausschnitte des abends veröffentlichen kann… genauso wie ausschnitte von rene und vielleicht auch unser zusammentreffen. Und natürlich noch weitere fotos und texte… das programheft gibt es morgen auf http://schlingenblog.posterous.com
---
Und nun aber wirklich: Gute Nacht!


Copyright der Fotos in diesem Eintrag bei Kathrin Mayr
December 04

PREMIERE VON STERBEN LERNEN und CALVINISMUS KLEIN !

REGENSCHIRME NICHT VERGESSEN !!!! Da ein Teil von Sterben Lernen aus einem ca. 5 minütigen Fußweg vom Theater Neumarkt zum Pfauen besteht, ist es auf alle Fälle gut einen REGENSCHIRM mitzunehmen !!!
UND SO WIRD ES UNGEFÄHR ABLAUFEN !

1) Start im Neumarkttheater um 20.00 Uhr.
Teil 1... Herr Andersen teilt seiner Frau mit, dass er nur noch 60 Minuten zu leben hat und er nun das Sterben lernen möchte. Seine Frau ist verzweifelt und dann auch wieder sehr zuversichtlich, denn das Fremde in ihm wird überleben. Im weiteren Verlauf melden sich die Töchter (Gothic und Sugar) zu Wort, Beuys von Hagen kommt zu Besuch und erzählt von öffentlichen Friedhöfen in Einkaufszentren, der Leiter einer Hospizgemeinde erklärt das Prinzip der Monotheistischen Religionen... Am Ende des ca. 30-minütigen Teils erscheint auch sein Chor und mit den Worten: Es ist dunkel geworden,... bewegt sich die Prozession vom Neumarkttheater zum Kunsthaus, also Richtung Pfauen.

2) Im Kunsthaus angekommen, startet Herr Andersen mit seiner Frau ein erstes Probeliegen im Sarg, seine Eltern kommen, er entdeckt den Mystiker in sich, Beuys von Hagen verliert die Handlung und der Hospizvorsitzende erklärt die Welt in 3 Sekunden. Doch dann nähert sich der Chor wieder. Und auf seinen Schultern sitzt Papst Mabuse, der frohe Kunde hat: Die Antimetastasentablette hat gewirkt! Voller Hoffnung marschiert die Gruppe nun zum 60 Sekunden entfernt liegenden Pfauen.
 
3) Im Pfauen diskutieren Martin und Caroline über die Vorgänge des Interaktiven und Interpassiven Theaters, bis plötzlich Herr Andersen mit seiner Familie und dem Chor erscheint. Martin Wuttke erkennt in Herr Andersen seinen alten Darstellerfreund Jean und seine Frau Brigitte.... Und christoph als Papst Mabuse erinnert sich plötzlich an die Zeit der Hamletaufführung und entdeckt weitere Anzeichen für einen rechtsradikalen Ruck, der aber in 7 Jahren geheilt sein soll. Da Martin die Schmerzen von Herrn Andersen kaum noch erträgt, bricht er Rene Polleschs Inszenierung ab, bzw... sieht darin die Konsequenz der abgehaltenen Debatte. "Calvinismus Klein" ist beendet und Familie Andersen, der Chor und die Beteiligten der Aufführung marschieren nun singend zurück zum Neumarkttheater.
 
4) Im 4.Teil von Sterben lernen erleben wir die ersten Momente des Parsifal. Gurnemanz Hospiz, die Waldhüter und Alicia die Tochter entdecken Frau Andersen, die mit Heilbalsam naht. Und Herr Andersen kommt aus de Regen... voller Schmerz... nur noch 14 Minuten....

Wie schon gesagt: Bringen Sie bitte Ihren Regenschirm mit, geben Sie Ihre Mäntel nicht an der Garderobe ab, sondern behalten Sie sie besser, damit Sie gleich am Ende des ersten Teils mit dem Chor Richtung Kunsthaus aufbrechen können !

Alle Beteiligten sind froh, dass dieser Abend zu neuen Gedanken des 13. und 14. Jahrhunderts geführt hat.
Und insbesondere Christoph war es möglich durch diese Arbeit "den Kampf gegen Gott in der Form zu beenden, dass ich nun spüre, dass gerade Meister Eckhard und die Einführung einer allumfassenden Energiewolke, der sogenannte Hypergott, keine Limitierung und keine Beschränkung mehr zulassen. Auch wenn am Ende vielleicht wieder die Schmusedecke auf uns wartet, so ist gerade in Krisenzeiten, in Zeiten medizinischen Zweifels und körperlicher Fragestellung nicht mehr wichtig nach Schuld und Sinn zu fragen, sondern das Nichts vom Allem, das Alles vom Nichts, das Allumfassende zu erkennen, um zu begreifen, dass NICHTS nach dem Tod verlorengeht:

Gott is un-unendlich

→ Predikate sind auf Gott nicht applizierbar

Rot ist nicht  blau,

Grün ist nicht gelb,

Jede Prädikation  impliziert ein ‚nicht`.

 

 

December 03

STERBEN LERNEN - DAS STÜCK von Christoph Schlingensief

Der Zwischenstand der Dinge Teil 2 : ...zum Mitlesen oder auch Nachspielen.
Protestantische und katholische Gemeinden und Institutionen können den Text selbstverständlich umsonst nachspielen !
Nur kurz die Aufführungsdaten mailen an:  
buero@schlingensief.com .

UND DAS STÜCK FINDET MAN UNTER: 
http://schlingenblog.posterous.com ....

Copyright der Fotos bei Kathrin Mayr !
December 01

TEMPORÄRE LEICHENHALLE SCHWEIZ

IST DIE SCHWEIZ FREMDENFEINDLICH UND BEREITS GESTORBEN ?
Das minarettverbot bringt viele interessante argumentationen zum vorschein. und natürlich muß man in der schweiz deutsch können, um hier überhaupt akzeptiert zu werden. deshalb hier nur ein kleiner eindruck von befürwortern des minarettverbots. vielleicht auch nur eine temporäre leichenhallensituation, vielleicht aber auch nur der anfang. wahrscheinlich ein laufender prozeß. der dialekt ist die perfekte methode, um sich abzugrenzen. die schweizer haben das seit ca. 5 jahren sehr konseequent ausgebaut. man versteht kaum noch etwas und wenn man nachfragt wird weiterhin im dialekt geredet. ist die schweiz aber deshalb gleich provinziell oder braucht sie das alles, um überhaupt noch ein selbstgefühl entwickeln zu können? vielleicht ist die schweiz aber schon gestorben. und nun merken große teile der bewohner wie die glieder abfrieren. da ich aber gerade sehr positiv denke, sage ich mal:  In maximal 7 jahren ist blocher von uns gegangen, die svp als sargnagel der schweiz erkannt, und die einst so großzügige schweizer seele hat sich wieder luft verschafft.
Da bin ich sehr zuversichtlich. in 7 jahren ist die schweiz auferstanden von den toten ! und bis dahin ein paar kommentare von kleinen schweizer sargnägeln:

Erschienen in einer der führenden abendzeitungen der schweiz... herausgeber bitte im telefonbuch herausfinden.
November 22

WIR GEDENKEN HEUTE AM SONNTAG !

Meister Eckhart/  Eckhart von Hochheim
1260-1328

Nikolaus von Kues
1401-1464

Henry Suso
1300-1366

Johannes Tauler
1300-1361

Gott ist gut.

Seine Schöpfung ist nicht gut.

    Gott ist entweder nicht gut, oder er ist nicht allmächtig, oder er existiert nicht.

Sage ich demnach: ´Gott ist gut´- es  ist nicht wahr: ich bin gut, Gott aber ist nicht gut. Ich möchte weiter sagen: ´Ich bin besser als Gott´! Denn was gut ist, das kann besser werden; was besser werden kann, das kann zum Allerbesten werden.

Weil er denn nicht besser werden kann, darum kann er nicht das Allerbeste werden, denn fern von Gott sind diese Drei: ´gut´, ´besser´ und ´allerbest´, denn er ist über alles.

Sage ich weiterhin: ´Gott ist weise´- es ist nicht wahr: Ich bin weiser als er! Sage ich ferner: ´Gott ist ein Sein´ - es ist nicht wahr. Er ist ein überseiendes Sein und eine überseiende Nichtheit. Schweig daher und kläffe nicht über Gott; denn damit, dass du über ihn kläffst, lügst du, tust du Sünde. Meister Eckhart

Darum hütet euch, dass ihr euch danach auffasst, wie ihr dieser oder jener Mensch in irgendeiner besonderen Weise seid. Fasst euch vielmehr auf gemäß der freien, ungeteilten menschlichen Natur. Darum scheidet euch von allem Nicht, denn das Nicht macht Unterschiedenheit. Wie das? Dass du nicht jener Mensch bist, dieses ´nicht´ macht Unterschiedenheit zwischen dir und jenem Menschen. Meister Eckhart

Und zum Schluß noch:

Nikolaus von Kues:  De docta ignorantia (1438-40)

Bühnenprobe Zürich, 2004 - Foto Copy. by Meika Dresenkamp.

Ich wünsche allen einen friedvollen und ereignisreichen, besinnlichen, hektischen und sehr ruhigen Sonntag !
Wir gehen gleich in den Zoo. Vielleicht finde ich dort ein paar Tiere für die Sintflut. Die wähle ich aus und stelle sie unter:
http://schlingenblog.posterous.com zur Diskussion... Lieber 2 Schmetterlinge oder lieber dafür 1 Schimpansen.

 
November 21

GEDANKEN ZUM STERBEN

Grundzüge des modernen Agnostizismus
Wir können weder wissen, ob Gott existiert, noch wer oder was er ist
Religiöse Aussagen über Gott sind Projektionen
Die Überzeugung, dass Gott allmächtig und gut ist, ist widersprüchlich



Ich weiß, daß alles, was ich weiß, nicht Gott ist,
und daß alles, was ich erfasse,
ihm nicht gleichkommt
Cusanus

Nun merket auf!
Gott ist namenlos,
denn von ihm kann niemand etwas aussagen oder erkennen.
Denn Gott ist Nichts;
nicht derart, dass er ohne Sein sei:
er ist weder dies noch das,
was man aussprechen kann;
er ist Sein über allem Sein.
Er ist ein seinsloses Sein
Meister Eckhart
November 19

PROBENTREFFEN MIT RENE POLLESCH

Heute fand ein treffen mit unseren darstellern und renes darstellern und team statt. wir haben unseren auftritt auf der Pfauenbühne in ihrem stück kurz vorgestellt. und ab jetzt schreibe ich diesen text mal mit einem texterkennungs system...

JETZT spreche ich in ein mikrophon und das system schreibt, was es glaubt zu verstehen... nur mal als test... dazu dann noch eine kleine sammlung an fotos von heute... die panoramabilder gefallen mir besonders gut.... und nun übergebe ich an den sprachcomputer... bitte übersetzen sie meine sprache in schrift:

WIEDERHOLE jetzt noch einmal den Satz für den Sprachcomputer: "Bitte übernehmen Sie." uund weiter gehts...:
Das mit dem Punktzeichen habe ich noch nicht verstanden, ich glaube er schreibt den . Nur wenn ich . sage, es kann aber auch sein das er dann anstelle des Punktes einen . also ein zeichen macht. darüber bin ich noch nicht aufgeklärt worden. Das Treffen war sehr erfreulich weil wirklich alle Beteiligten ausgesprochen offen und herzlich aufeinander reagiert haben. Wir haben dann werde den Schauspielern von René unter anderem auch Martin Wuttke der dabei war kurz mal unsere Text Ausschnitte aus der Hamlet Inszenierung die ich am Frauen (gemeint ist hier das wort: PFAUEN - bezeichnung für das theater hier in zürich, anmerkung des kontrolleurs...) vor circa sieben Jahren gemacht habe aufgeführt. Beziehungsweise gelesen. Viele Texte bestehen aus einer dem Auftritt der Schauspieltruppe er, sind aber an den entsprechenden Stellen verhindert hier heißt es dann plötzlich Totengräber sterbender Friedhof also aus dem Theater aus der Bühne wird ein Friedhof. Diese Idee des Leidensbeauftragten des Leidens beauftragten, mal sehen ob der Computer zwischen beiden Wörtern unterscheidet, der Leidensbeauftragte auf der Bühne der stellvertretend fürs Publikum sterbende ist vielleicht der Interpasivste vorgang überhaupt. Ich genieße im Zuschauerraum Passiv wie auf der Bühne jemand stirbt. Und natürlich weiß ich das er nicht stirbt und natürlich gehe ich gemeinsam mit dem gestorbenen nach der Theatervorstellung erstmal eine Pizza essen. Das ist Theater, das ist lebendiger Friedhof. Das das vorgelesene kam gut an und Rene will nun in den nächsten Proben versuchen diese Texte von uns mit reinen zu verweben beziehungsweise aufzubauen, wichtig erschien uns allen das unser Einbruch in sein Stück nicht das Stück von ihnen anhalten und überrollen soll, sondern dass unser Auftritt dann auch von seinen Schauspielern kommentiert wird beziehungsweise textlich erweitert und in Beziehung gesetzt wird zudem, was vorher auf der Bühne im Pfauentheater stattgefunden hat. Wie ich gerade sehe funktionierte der Sprachcomputer verhältnismäßig gut. Ich bin sogar erstaunt wie sehr er meine Texte die ich hier in ein kleines Mikrofon an meinem mund schnatter, selbst dieses Wort kennt er, sehr erstaunlich sehr erstaunlich sehr erstaunlich. Nun gut wir sind dann nach 1 h wieder gegangen haben noch ein paar kleine Dinge besprochen haben uns dann in die Kantine gesetzt und weiter beraten. Allerdings bin ich die letzten Tage nicht so gut dabei. Darf man hier weiter auszuführen ist überflüssig. Es ist immer das gleiche. Ich leide darunter, dass mir die fließende Lust abhandengekommen ist. Jeder Staat ist gut und steigert meine Laune. Doch dann schon nach wenigen Minuten, raffte sich meist in einem Keller und höre die anderen nur noch wie durch eine Holzluke. Mir kommt es auch so vor, dass man am Theater unter dem ständigen Druck etwas erfinden zu müssen völlig außer acht lässt, völlig außer acht lässt, dass man in kürzerer Zeit manchmal viel effektiver handeln und gestalten kann. Dieses ewige herumgesitze, geht mir gewaltig auf die nerven. Die beste Voraussetzung für gute Ideen ist ein klarer Kopf und die gemeinsame Entscheidung möglichst nicht zu viel Zeit zu vergeuden, um einfacher effektive Strukturen aufzubauen sie die sich dann beim Spiel erst durch die private Arbeit des Künstlers füllen lässt. Mehr fällt mir jetzt nicht ein, außerdem irritiert mich diese Sprachsystemen, weil ich die ganze Zeit im abgehackten Zustand die Texte ablasse. Aber das wird sich vielleicht in den nächsten 20-30 Jahren noch ändern. Interessant ist auf alle Fälle, dass in den nächsten 100 Jahren circa 6 Milliarden Menschen sterben werden. Und diese Zahl ist auch noch geschönt. 6 Milliarden in 100 Jahren. EZ sagt er selbst tat EZ sagt und du bist ab.... und jetzt schreib ich nochmal den letzten satz in das blatt: ich habe gesagt: ipp zipp zapp... und du bist ab... und herauskam: EZ sat er selbst tat EZ sagt....   - Und solange soetwas passiert, sollte man vorsichtig sein, wenn man mit diesem spachcomputer verträge aufsetzt! - hier spricht man in den sprachcomputer ! und da hat die wahrheit ihre grenze !.....sprachcomputer: Hier sind wir auf der Bühne und da die Wahrheit ihre Grenzen. - Das hat hat der Sprachcomputer einfach unter den Tisch fallen lassen. Pfui. Ende.


November 17

9.11. Probe Zürich 01 Transkript


Vortrag Christoph 9.11.2009 (unkorrigierte Fassung - Teile auf dem Gerät extrem verzerrt, nicht möglich aufzuschreiben.)
Ich sag mal in Kurzform:

Hab gerade erzählt dass wir „Meister Eckhard“ mal gucken / Dass die Geschichte von Zizek, das Christentum kann man genau anders herum nochmal lesen, sagt er das, das Christentum kann man anders herum als Teufelswerkzeug lesen, und dann diese Sache von Fort-Da, was Freud gesagt hat: die Mutter zur Spule, also eine Spule wird zur Mutter, damit kann man die Mutter wegwerfen, sich von ihr praktisch endlich distanzieren und gleichzeitig auch bestimmen: Da! Und dann kommt sie wieder zurück. Fort – Da.

Das hab ich nochmal zusammengezogen mit dem Alien- Aspekt, dass eben das Fremde in mir wohnt und nur durch die Entfernung des Fremden kann das Fremde zerstört werden, aber der Wirt stirbt dabei auch und das können wir in dem Glaskanal machen, indem man so eine Kordel nimmt

wo man dann das Alien hat, dann Licht – Wummer-Wummer wo dann irgendwas passiert und plötzlich jagt ein Stofftier wieder von links nach rechts durch. Oder so ein OP-Tisch, wo vielleicht einer unsichtbar drunter kniet und kann dann so  am Tisch mit den Händen unter die Klamotten gehen und kann dann so  beim der liegt dann so machen und der liegt dann da und wird operiert

und dann hat man wieder dieses Alien, das dann wider fort abhaut und wieder DA zurückkommt

und dass dieser Patient dann aber eben wieder tot ist und dann wieder beerdigt wird,
also immer so ein Rhythmus, dass man nach solchen Rhythmen sucht.


Man hat eine Tat, man erzählt irgendwas und wenn man das durch hat, wird derjenige der der Prediger war, oder der Verkünder der Wahrheit auch schon wieder als Teufel..., jedenfalls als sein Gegenteil dargestellt, ist dann auch befallen und muss dann operiert werden, stirbt deshalb und das Alien von ihm ist aber freigesetzt und man kann es nicht fort werfen und nicht da rufen, weil es einfach nur wieder eine Einbildung ist, also sich wirklich über die Mutter hinwegsetzen, oder über den Tumor hinwegsetzen bedeutet nicht unbedingt, das zu können, man kann es sich zwar einbilden, aber man ist vielleicht doch, gerade in der Abhängigkeit, dass man das gar nicht will, auch solche Manipulationen sind vielleicht beim Tumor, beim Krebs, nicht ausgeschlossen, dass sogar der Organismus selber diese Info Situation braucht um was auszudrücken was er selber auf dem normalen menschlichen Wege nicht ausdrücken kann. Ich hab zum Beispiel hier ein Tumor an der Seite, also eine Metastase hier, die dann auftaucht, wenn da alles voll ist, wenn die Metastasen da wachsen, krieg ich hier einen Knoten, das ist also so ein Siegfried-Teil, ein Signalgeber, der sagt: Hier Knubbel, Achtung, jetzt aber sofort röntgen! Und da sieht man dann da ist wieder was. Geht der weg, ist auch hier wieder alles leer, aber was hat das miteinander zu tun?

Und die Ärzte, der Arzt, hat auch gesagt, er hat jetzt eine Patientin gehabt, die hat einen Knubbel am Bauch gehabt, auch eine Metastase,
hat aber, ich weiß gar nicht wo, ich glaub hier oben, irgendwie den Tumor gehabt.


Warum das so ist, weiß nicht, aber es kann sein, dass das wieder eine Sprache ist, dass da wieder was ausgedrückt wird. Eine Unlösbarkeit. Oder dass da unterschiedliche Körperteile eben in Kontakt treten, aber man selber ist nicht der Herr der Veranstaltung. Weil die Unterhalten sich auch, ohne dass ich noch da bin, selbst dann wächst der Krebs ja noch eine Zeit. Also so wie Haare, Fingernägel. Wenn man die Leichen ausgräbt, haben die lange Haare plötzlich, oder solche Fingernägel und das ist ja in der Kunsthalle schön, dass die Kunst eben noch existiert wenn wir nicht da sind. Also die Kunstwerke unterhalten sich auch miteinander wenn wir schon zuhause sind. Und auch das sind dann Tumor- Sprachen. Die neue Kunst hevorbringt, von der wir glauben, dass wir die Eigentümer sind, aber die Kunst hat sich in Wirklichkeit verselbstständigt und wirft uns immer nur Bröckchen vor und wir sind dann  glücklich mit den Kuratoren und den ganzen Sachverständigern dass wir was gefunden haben, aber in Wirklichkeit sind wir eben die Spule. Die Kunst wird zur Spule. Die Kunst wird weggeworfen, und DA! Ist sie schon wieder zurückgekommen. Da ist keine Lösung in Sicht, ja.

 

Diese Prinzipien kenn ich bei der Todesfrage, der Frage „Sterben lernen“ heißt eben akkzeptieren, dass sterben nicht in unserer Macht steht. Dass wir das Ritual des Sterbens zwar praktizieren können, wir können das sterben, das Ritual des Sterbens ausführen, das ist möglich, mit Blumen und mit Weihrauch und mit Gesang, oder mit Feuer im Hinduismus, am Mund anfangen zu verbrennen, einäschern, was weiß ich was, das ist alles möglich aber, wir sind nicht – das ist ja schon die zweite Stufe. Das Sterben selber, der Moment des Abschiednehmens ist ein einsamer Moment. Jedes Handhalten, was die Hospizgemeinschaft oder was die sich da vorstellt, wie menschlich, das abläuft, das sind auch alles nur kleine Bildchen für die Menschheit die nicht sterben will, also die meisten jedenfalls nicht. Und da drinn aber die große Angst hat: Ich muss aber jetzt sterben und dass ist der einsamste Moment überhaupt, da kann auch keine Hand und kein Vater, keine Mutter und kein Bruder helfen, sondern das ist irgendwie der Moment der Akkzeptanz, dass irgendwie was mit mir geschieht, was ich nicht kontrollieren kann. Was einfach jetzt passiert.

Fortsetzung folgt....

STERBEN LERNEN!

Herr Andersen stirbt in 60 min.

eine Versuchsanordnung von Christoph Schlingensief und Freunden in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich. 4./6./8. Dezember 2009 im Theater Neumarkt, Zürich

Christoph Schlingensief plant mit Freunden und in partieller unmittelbarer Kooperation mit René Polleschs „Calvinismus Klein”-Uraufführung eine Versuchsanordnung respektive eine „temporäre Leichenhalle” zum Thema „Sterben lernen”, einer Kunst, die eigentlich jeder Lebende beherrschen müsste, die aber in der Schule nicht unterrichtet wird. Wie gehe ich damit um, wenn es bei mir soweit ist? Welche Gebrauchsanweisungen und Rituale, welche Rechtfertigungen und Erklärungen bietet unsere Kultur an? Bietet sie überhaupt welche an, oder geht es grundsätzlich immer nur um den Umgang mit dem Sterben der Anderen? Haben wir da einen blinden Fleck? Näheres demnächst unter www.temporaere-leichenhalle.ch.

Der Weisheit des Silen, dem Begleiter des Dionysos, dass es das Beste für den Menschen sei, nie geboren zu sein, das Zweitbeste aber, bald zu sterben, wird in Nietzsches „Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“ die „apollinische“ Einstellung der Menschen Homers gegenübergestellt: „Das Allerschlimmste ist, bald zu sterben, das Zweitschlimmste aber, überhaupt zu sterben“. In diesem Gegensatz bewegt sich bis heute die Auseinandersetzung mit dem Tod; die dionysische Todesverfallenheit im Rausch und in der Musik auf der einen und der apollinische unbedingte Wille zum Dasein, „zum Weiterleben und sei es als Tagelöhner“ auf der anderen Seite. Das Sterben ist dabei grundsätzlich das Sterben der Anderen. Der Umgang mit dem eigenen Ende wird kaum je reflektiert. Dazu passt die katholische Vorstellung, das Sterben habe „still, lautlos, wortlos und handlungslos“ zu sein. Der Sterbende soll sich off enbar schon bevor er tot ist als Subjekt verabschieden. Müssen wir wirklich, wenn es uns „erwischt“, die Kommunikation mit anderen aufgeben und den Weg allein gehen?

Das zweite Brainstorming (nach „Zwischenstand der Dinge“) über letzte Fragen und Dinge des an Krebs erkrankten Regisseurs Christoph Schlingensief findet im Theater Neumarkt statt. Sich selbst als potentiell Sterbenden zu akzeptieren und selbstbestimmt mit dem umzugehen, was man nicht bestimmen kann, ist das Ziel. Das erwähnte Buch von Nietzsche, Brechts Lehrstück vom Einverständnis, Terence McKennas Theorie des „Hyperspace“ und der Seelenwanderung und Boris Groys Vorstellung von der Unsterblichkeit des Körpers und der Kollektivierung des Todes – diese Konzepte sollen auf ihre Kraft hin, dem Sterben und dem Tod jenseits religiöser Heilsversprechen ihren „Stachel“ zu nehmen, untersucht und zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung werden.

Am 4. / 6. und 8. Dezember im Rahmen der Aufführung „Calvinismus Klein“ im Pfauen, Zürich

sowie im Theater Neumarkt, Zürich

Theater Neumarkt
Neumarkt 5
CH 8001 Zürich

T: +41 (0)44 267 64 65
F: +41 (0)44 252 24 39
info(at)theaterneumarkt.ch
http://www.theateramneumarkt.ch


 
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